Zwei Statuen, zwei Erinnerungen: Von Brandenburg bis Washington
Hans-Herbert ReinhardtZwei Statuen, zwei Erinnerungen: Von Brandenburg bis Washington
Eine ruhige Landstraße in Brandenburg birgt heute ein eindringliches Mahnmal der Vergangenheit. Daneben steht eine Skulptur aus Cortenstahl, die an die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter auf dem Gut Neuendorf im Sande in den frühen 1940er-Jahren erinnert. Die Statue wurde 2018 errichtet, um das Andenken an Jutta Baumwol zu bewahren, die in diesem Mai 101 Jahre alt geworden wäre.
Unterdessen sorgte auf der anderen Seite des Atlantiks eine andere Statue für Schlagzeilen. 2021 ließ der damalige US-Präsident Donald Trump in der Nähe des Weißen Hauses ein Denkmal für Christoph Kolumbus aufstellen – eine Entscheidung, die während der Black-Lives-Matter-Proteste für Debatten sorgte.
Die Brandenburgische Skulptur geht auf eine Initiative von Jutta Baumwols Bruder zurück. Sie dient als Ort der Besinnung am Eingang des Gutes, wo sich Menschen am Holocaust-Gedenktag und zum Jahrestag der Befreiung versammeln. Baumwol selbst wurde von Neuendorf nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Heute halten Radfahrerinnen und Geocaching-Enthusiasten an der Stelle inne und machen so die Erinnerung zu einem Teil des Alltags.
In den USA wurde die Kolumbus-Statue an der Nordseite des Eisenhower Executive Office Building platziert. Ihre Aufstellung erfolgte als direkte Reaktion auf die nationale Auseinandersetzung mit der Geschichte nach dem Tod von George Floyd. Italienisch-amerikanische Organisationen unterstützten Trumps Entscheidung öffentlich und deuteten sie als Verteidigung des kulturellen Erbes.
Während die eine Statue als Akt lokaler Selbstermächtigung durch Erinnerung steht, wurde die andere zum Symbol in einem größeren politischen Streit. Beide markieren jedoch heute Orte, an denen Geschichte aktiv erinnert – oder umkämpft – wird.
Die beiden Denkmäler erfüllen sehr unterschiedliche Zwecke. Die Skulptur in Brandenburg sorgt dafür, dass Jutta Baumwols Schicksal und das Leid der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sichtbar bleiben. In Washington lenkt das Kolumbus-Denkmal weiterhin die Aufmerksamkeit auf die Debatten über historische Darstellung. Jedes auf seine Weise prägt sie, wie die Vergangenheit heute wahrgenommen wird.






