19 April 2026, 16:19

Wie die DDR 1988 Joseph Beuys zögerlich die Tür öffnete

Schwarz-weiß-Foto eines großen Saals mit Tischen, Stühlen, Säulen, Bögen und Kronleuchtern, beschriftet mit 'Festival der Gesellschaft der Freunde, Berlin' unten.

Wie die DDR 1988 Joseph Beuys zögerlich die Tür öffnete

1988 zeigte die DDR die erste und einzige Ausstellung mit Werken von Joseph Beuys. Die Schau lief von Mitte Januar bis Mitte Mai und markierte einen seltenen Moment für den umstrittenen Künstler in der DDR. Trotz seines Todes 1986 konnte sein Einfluss nicht länger ignoriert werden – selbst in einem Staat, der ihn jahrelang abgelehnt hatte.

Jahre lang hatten die Kulturbehörden der DDR Beuys als "unerwünschte Person" eingestuft. Sein Ruf als gesellschaftlich engagierter Demokrat kollidierte mit der sozialistischen Doktrin. Doch Ende der 1980er-Jahre erkannte auch die Akademie der Künste seine Bedeutung an. Ihr Präsident, Manfred Wekwerth, gab zu, dass man Beuys nicht länger übergehen könne.

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Verhandlungen begannen, um die Ausstellung Beuys vor Beuys in die DDR zu holen. Ursprünglich vom Land Nordrhein-Westfalen organisiert, konzentrierte sich die Schau auf 216 frühe Werke aus der Sammlung van der Grinten. Diese zwischen 1946 und 1966 entstandenen Stücke umgingen seine späteren, politisch geprägten Phasen.

Eröffnet wurde die Ausstellung zunächst im Berliner Marstall, später zog sie um an die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Jeder Hinweis auf Beuys' demokratisches Engagement wurde jedoch sorgfältig getilgt. Die DDR präsentierte allein sein künstlerisches Schaffen – entkleidet von jedem gesellschaftlichen Kontext.

Die Ausstellung von 1988 bot dem DDR-Publikum einen seltenen Einblick in Beuys' frühes Werk. Durch die Ausblendung seines politischen Erbes kontrollierte der Staat die Rezeption seiner Kunst. Doch die Schau selbst war ein Zeichen des Wandels – selbst in einem System, das ihn einst komplett verboten hatte.

Quelle