Wahlreform in Baden-Württemberg bringt nur minimalen Frauenzuwachs im Landtag
Hans-Herbert ReinhardtSo viele Frauen sitzen im neuen Landtag im Südwesten - Wahlreform in Baden-Württemberg bringt nur minimalen Frauenzuwachs im Landtag
Baden-Württembergs jüngste Wahlreform sollte den Frauenanteil im Landtag erhöhen. Die neuen Regeln verlagerten die Kandidatenauswahl von den Ortsverbänden auf die Landesparteiführungen, was es erleichterte, Frauen auf aussichtsreiche Listenplätze zu setzen. Dennoch blieb der Gesamtzuwachs an Mandatsträgerinnen bescheiden.
Vor 2021 dominierten lokale Parteigruppen die Kandidatenaufstellung, wobei oft langjährige männliche Amtsinhaber bevorzugt wurden. Die Reform von 2022 gab den Landesverbänden mehr Kontrolle und ermöglichte es ihnen, geschlechtergerechtere Listen aufzustellen. Die Grünen und die SPD erreichten in ihren Top Ten eine paritätische Besetzung, während die CDU mit 28,6 % Frauenanteil hinter den eigenen Zielen zurückblieb.
Die Linke führte mit zwölf Frauen unter den ersten 20 Plätzen, gefolgt von Grünen und SPD mit jeweils zehn Kandidatinnen. Nur die Linke und die Grünen setzten Frauen auf die Spitzenplätze ihrer Listen. Die AfD hingegen kam lediglich auf einen Frauenanteil von 11,4 %.
Bei der jüngsten Wahl sicherten sich die Grünen 30,2 % der Zweitstimmen und lagen damit knapp vor der CDU mit 29,7 %. Trotz der Reform stellen Frauen nun 33,8 % der Abgeordneten – ein Anstieg um nur 0,9 Prozentpunkte gegenüber der vorherigen Legislaturperiode.
Die Reform verhalf den Parteien zwar zu mehr Einfluss auf die Kandidatenlisten, doch ihr Effekt auf die Gesamtvertretung von Frauen blieb begrenzt. Aktuell besetzen Frauen 53 der 157 Sitze, ein leichter Anstieg gegenüber den vorherigen 32,9 %. Während Grünen und SPD ihre Paritätsziele erreichten, hinkten andere Parteien – allen voran die AfD – deutlich hinterher.