Stuttgarter Gericht blockiert Einbürgerung wegen Linksextremismus-Vorwürfen
Hans-Herbert ReinhardtStuttgarter Gericht blockiert Einbürgerung wegen Linksextremismus-Vorwürfen
Ein Stuttgarter Gericht hat dem iranischen Staatsbürger Danial Bamdadi die Einbürgerung in Deutschland verwehrt. Zur Begründung verwies das Urteil auf seine anhaltenden Verbindungen zu linksextremistischen Gruppen und frühere gewalttätige Handlungen. Bamdadi, der als politischer Aktivist bekannt ist, kündigte an, die Entscheidung vor einem höheren Gericht anzufechten.
Unterstützer, darunter Gewerkschaften und linke Organisationen, kritisieren das Urteil als ungerecht. Sie werfen dem Gericht vor, sich auf Geheimdienstberichte gestützt zu haben, um Bamdadi mit Extremismus in Verbindung zu bringen – ohne klare Beweise für persönliches Fehlverhalten vorzulegen.
Das Verwaltungsgericht Stuttgart bestätigte damit eine frühere Ablehnung von Bamdadis Einbürgerungsantrag. Die Behörden verwiesen auf einen Übergriff auf einen AfD-Stadtrat im Jahr 2017 sowie seine Teilnahme an einer Kundgebung für verurteilte Linksextremisten 2021. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass sich Bamdadi nicht ausreichend von gewaltbereiten extremistischen Kreisen distanziert habe – obwohl seine politische Arbeit rechtlich durch das deutsche Grundgesetz geschützt sei.
Bamdadi arbeitet derzeit für den Verein zur Bewahrung der Demokratie. Sein Fall hat bundesweit Aufmerksamkeit erregt: Über 17.000 Menschen unterzeichneten eine Petition zu seiner Unterstützung. Die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin hat sich seinem Anwaltsteam angeschlossen, während Organisationen wie LabourNet, die IG Metall und Pro Asyl öffentlich hinter ihm stehen. Diese Gruppen betonen sein Engagement bei den "Frau, Leben, Freiheit"-Protesten und warnen vor einer Abschiebung in den Iran.
Kritik am Urteil kommt unter anderem von der IG Metall, die dem Gericht "Schuld durch Assoziation" vorwirft. Auch die Gewerkschaft Verdi und die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) zeigten Solidarität. Bamdadis Anwälte argumentieren, das Gericht habe sich zu stark auf Berichte des Bundesamts für Verfassungsschutz gestützt.
Der Fall fällt in eine Zeit, in der Deutschland einen deutlichen Anstieg abgelehnter Einbürgerungsanträge verzeichnet. 2025 wurden 10.616 Anträge abgelehnt – mehr als doppelt so viele wie die 5.124 im Jahr 2024. 2023 lag die Zahl noch bei 3.139, was auf eine verschärfte Prüfungspraxis hindeutet.
Bis auf Weiteres bleibt Bamdadi ohne deutschen Pass. Er hat bereits angekündigt, in Berufung zu gehen, und verlängert damit einen Rechtsstreit, der die öffentliche Meinung spaltet. Das Ergebnis könnte Präzedenzwirkung für künftige Fälle haben, in denen politische Aktivität und Staatsbürgerschaftsrechte in Deutschland aufeinanderprallen.
Familienkontrast und Verfassungsschutz-Behauptungen in abgelehntem Staatsbürgerschaftsfall
Neue Details enthüllen, dass die Eltern und die Schwester von Danial Bamdadi Jahre vor der Blockierung seines Antrags die deutsche Staatsbürgerschaft erhielten. Dies betont die selektive Überprüfung, der seine politische Aktivität ausgesetzt war. Wichtige Erkenntnisse sind:
- Der Verfassungsschutz klassifizierte ihn seit 2019 als linksradikal, da er das Offene Antifaschistische Treffen Rems-Murr leitete.
- Der 2017 erwähnte Angriff betraf spezifisch den AfD-Stadtrat Eberhard Brett, ein zuvor nicht bekanntes Detail.
- Frühere Ablehnungen durch die Rems-Murr-Kreisbehörde basierten stark auf Verfassungsschutz-Berichten, trotz der juristischen Arbeit von Bamdadi mit dem Verein zur Bewahrung der Demokratie.