23 March 2026, 18:27

Kratzers provokante Schumann-Inszenierung spaltet und begeistert Hamburgs Opernpublikum

Schwarze und weiße Zeichnung einer Gruppe von Menschen, die vor einer Bühne mit einem drapierten Tuch an der Wand und Fenstern im Hintergrund stehen, mit der Beschriftung "Das Theater der Oper" unten.

Kratzers provokante Schumann-Inszenierung spaltet und begeistert Hamburgs Opernpublikum

Tobias Kratzer setzt als neuer Intendant der Hamburger Staatsoper mit einer mutigen Inszenierung von Das Paradies und die Peri ein Zeichen. Die Uraufführung am 14. Oktober 2025 deutete Schumanns Oratorium in einem scharf zeitgenössischen Licht neu. Das Publikum reagierte mit einem Mix aus Buhrufen und Beifall, der schließlich in begeisterten Applaus für Kratzers provokante Vision überging.

Kratzers Regie brach mit der Tradition, indem er den Krieg in Schumanns Werk als modernen Konflikt darstellte. Die Schlacht wird nicht von mythischen Gestalten, sondern von gewöhnlichen Menschen geführt, die von einem weißen Anführer aufgestachelt werden. In einer eindrucksvollen Szene trotzt der sterbende Jüngling – ein schwarzer Mann – der Autorität des Führers und fügt so eine gesellschaftskritische Ebene hinzu.

Der Regisseur durchbrach zudem die vierte Wand und machte das Publikum zu Teilnehmern. Die Sängerin Vera-Lotte Boecker, in der Rolle der Peri, kletterte über die Zuschauerreihen und setzte sich neben eine weinende Zuschauerin – ein symbolisches Öffnen der Himmelspforte. Kameras fuhren durch das Publikum und webten Kommentare in die Aufführung ein.

Aktuelle Themen rückten im dritten Akt in den Mittelpunkt, wo Kratzer Kinder unter einer verschmutzten Kuppel spielen ließ – eine deutliche Anspielung auf die Klimakrise. Die Inszenierung zog auch Parallelen zur Pandemie-Isolation, als ein Pestkranker und seine Geliebte gemeinsam in Quarantäne sterben.

Diese Premiere ist Teil von Kratzers Bestrebungen, die Hamburger Staatsoper neu zu definieren. Geplante Projekte wie Monster's Paradise und Frauenliebe und -leben (eine Neudeutung des klassischen Frauenliebe und -leben-Stoffs) gehören zu einer Reihe neu kuratierter Musiktheaterabende. Sein Ziel ist es, die Oper zugänglicher und relevanter für die vielfältige Stadtgesellschaft zu machen.

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Der Erfolg der Produktion deutet auf einen Wandel hin, wie klassische Werke an der Hamburger Staatsoper interpretiert werden. Indem Kratzer Schumanns Musik mit drängenden modernen Themen verknüpft, hat er eine neue Richtung für das Haus vorgegeben. Die kommenden Vorstellungen werden zeigen, ob dieser Ansatz über das gespaltene, aber letztlich zustimmende Premierenpublikum hinaus Anklang findet.

Quelle