Ist Soulsängerin Sienna Rose nur eine KI-Erfindung statt echter Star?
Sepp KraushaarKI-Sängerin: Wer ist Sienna Rose - und warum sucht das Internet nach ihr? - Ist Soulsängerin Sienna Rose nur eine KI-Erfindung statt echter Star?
Viral-Soulsängerin Sienna Rose: Ist sie eine KI-Erfindung statt eine echte Künstlerin?
Die virale Soulsängerin Sienna Rose steht im Verdacht, kein realer Mensch, sondern eine künstliche Intelligenz zu sein. Mit fast zwei Millionen monatlichen Hörern auf Spotify hat ihr plötzlicher Aufstieg und ihre rätselhafte Vergangenheit Ermittler auf die Spur eines Netzwerks KI-generierter Pop-Akte gebracht. Selbst Prominente wie Selena Gomez wurden ungewollt in den Fall verwickelt – sie warb versehentlich für einen Song einer der gefälschten Künstlerinnen.
Erstmals auf sich aufmerksam wurde Sienna Rose mit ihren seelenvollen Tracks und ihrem Spotify-Profil, das sie als "Geschichtenerzählerin des Herzens" mit "tief persönlicher" Musik beschreibt. Doch ihre rasche Veröffentlichung neuer Songs, das Fehlen von Live-Auftritten und die minimale Präsenz in sozialen Medien weckten Zweifel. Internet-Detektive gruben tiefer und fanden heraus, dass ihr Produzent, Maksim Muravjov, mit Nostalgic Records zusammenarbeitet – ein Label, das auf KI-generierte Acts spezialisiert ist. Muravjov kooperiert zudem mit dem KI-Experten Hafsteinn Runarsson, der bereits mehrere Pop-Avatare entwickelt hat und Kurse zum Kommerzialisieren von KI-Musik anbietet.
Das Rechercheteam von Trasherchiert des Bayerischen Rundfunks verfolgte die Spuren bis nach Russland und identifizierte dort einen wahrscheinlichen Schöpfer der falschen Sienna Rose. Zudem entdeckten sie eine zweite, weniger bekannte Version der Künstlerin mit einem anderen Musikstil und kaum Streamings. Sowohl Muravjov als auch Runarsson scheinen in Oslo, Norwegen, zu leben – dieselbe Stadt, die auch in Sienna Roses Instagram-Profil als ihr Wohnort angegeben ist.
Die Kontroverse eskalierte, als Selena Gomez einen Song von Sienna Rose auf Instagram teilte – und Fans sie daraufhin verspotten, auf einen offensichtlichen Scherz hereingefallen zu sein. Unterdessen warf der YouTuber Rick Beato Spotify vor, KI-generierte Musik aus Profitgier zu pushen, und berief sich auf Studien, laut denen 97 Prozent der Hörer keine Unterschiede zwischen KI- und menschengemachten Tracks erkennen konnten. Ein weiterer Bericht behauptete, dass 85 Prozent der Streams künstlicher Künstler von Bots stammen.
Nach Veröffentlichung der Ermittlungsergebnisse verschwand das ursprüngliche Profil der rothaarigen Sienna Rose aus den sozialen Medien. Die Version mit Afro-Frisur ist jedoch weiterhin auf Spotify aktiv und bringt ihren Machern wöchentlich über 2.000 Euro ein.
Der Fall Sienna Rose zeigt die wachsende Herausforderung, KI-generierte Inhalte in der Musikbranche zu identifizieren. Studien belegen, dass die meisten Hörer den Unterschied nicht erkennen – während Streaming-Plattformen von künstlichen Acts profitieren. Mit Entwicklern wie Muravjov und Runarsson, die weiterhin an KI-Pop-Avatare arbeiten, wird die Grenze zwischen echten und virtuellen Künstlern immer schwerer zu ziehen.