17 March 2026, 08:18

HKW in Berlin: Postkoloniale Kulturpolitik spaltet die deutsche Szene

Schwarzes und weißes Bild des Reichshallen Theaters in Berlin, das das Auditorium mit Sitzreihen, Säulen und einer Decke zeigt, mit Text unten.

HKW in Berlin: Postkoloniale Kulturpolitik spaltet die deutsche Szene

Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin ist zum Mittelpunkt einer hitzigen Debatte in der deutschen Kulturszene geworden. Seit 2023 sorgt die Führung unter dem kamerunischen Kurator Bonaventure Soh Bejeng Ndikung mit ihrem postkolonialen Schwerpunkt sowohl für Begeisterung als auch für scharfe Kritik. Aktuelle Kontroversen – darunter die Absage eines Konzerts des Rappers Chefket – haben die Gräben weiter vertieft.

2023 übernahm Ndikung, ein in Kamerun geborener Kurator, die Leitung des HKW und machte es damit zur ersten großen deutschen Kultureinrichtung, die vollständig von People of Color geführt wird. Sein Programm, das Perspektiven des Globalen Südens und dekoloniale Themen in den Mittelpunkt stellt, löste schnell polarisierte Reaktionen aus. Unterstützer feierten dies als längst überfälligen Wandel, Kritiker warfen der Institution vor, ideologisch überzogen zu handeln und kulturelle Identitäten zu verwischen. Bis 2025 hatten Medienstreitigkeiten und Petitionen die Diskussion zu einer der umstrittensten Kulturdebatten Deutschlands werden lassen.

Die Kontroverse eskalierte, als der schwäbische Rapper Chefket – vom Goethe-Institut zum "Rap-Botschafter" ernannt – in die Kritik geriet, weil er ein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina" in arabischer Kalligrafie und einer Umrisskarte Israels trug. Sein für den Jahrestag eines Hamas-Angriffs geplantes Konzert im HKW wurde nach Druck von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer abgesagt. Aus Solidarität sagten daraufhin alle anderen deutschen Künstler ihre Auftritte im Haus ab.

Trotz seiner Lage in unmittelbarer Nähe zum Bundeskanzleramt blieb das HKW von der Bundespolitik weitgehend unbeachtet. Selbst Aufmerksamkeit heischende Aktionen wie die Ausstellung "Die Möglichkeit der Unvernunft" des TV-Satirikers Jan Böhmermann stießen auf Skepsis. Manche sahen seinen Beitrag als übergriffig anstatt als konstruktiv. Gleichzeitig bleibt das Haus ein Ort für internationale Künstler – zuletzt trat dort der haitianische Saxophonist Jowee Omicil auf.

Die Konflikte im HKW spiegeln die größeren Spannungen in der deutschen Kulturlandschaft wider. Die Absage von Chefkets Konzert und der Boykott der anderen Künstler haben die kritische Prüfung der institutionellen Ausrichtung verschärft. Vorerst bleibt das Haus ein Kristallisationspunkt in den Debatten über Postkolonialismus, künstlerische Freiheit und politischen Einfluss.

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