Grüne gewinnen knappe Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg trotz Stimmenverlusten
Hiltrud JockelGrüne gewinnen knappe Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg trotz Stimmenverlusten
Die Grünen sichern sich den Sieg bei der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg – allerdings mit Stimmenverlusten. Parteichefin Britta Haßelmann kündigte an, den nächsten Ministerpräsidenten zu stellen, obwohl das Rennen gegen die CDU knapp ausfiel. Die FDP hingegen erlitt schwere Verluste und verfehlte den Einzug in den Landtag.
Die Wahlbeteiligung stieg auf 69,6 % – ein Plus von 5,8 Prozentpunkten gegenüber 2021. Damit liegt sie fast wieder auf dem Niveau von 2016 (70,4 %). Die Briefwahl ging dagegen deutlich zurück: Nur noch 35,8 % der Wähler nutzten sie, nach 51,3 % im Jahr 2021, als die Corona-Beschränkungen noch galten.
Die Grünen erreichten 30,2 % der Stimmen und verloren damit 2,4 Prozentpunkte im Vergleich zu 2021. Die CDU legte um 5,6 Punkte auf 29,7 % zu. Die FDP stürzte hingegen auf nur noch 4,4 % ab (minus 6,1 Punkte) und scheiterte damit an der Fünf-Prozent-Hürde. Beobachter führen das Ergebnis auf Faktoren wie das neue Zweistimmensystem, die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre und den Zweikampf zwischen Grünen und CDU um die Führung zurück. Einige FDP-Wähler könnten zudem zur CDU gewechselt sein, angestoßen von Debatten über die Regierungsführung.
Haßelmann lehnte einen Vorschlag des Unionsfraktionschefs Jens Spahn ab, die Amtszeit des Ministerpräsidenten aufgrund der Pattsituation im Stuttgarter Landtag zu teilen. Gleichzeitig kritisierte sie, die FDP habe ihre traditionellen Werte verraten – eine Schwäche, die sie angreifbar gemacht habe. Nun wollen die Grünen gezielt enttäuschte FDP-Anhänger ansprechen und so ihre Wählerbasis ausbauen.
Die Wahl lässt die Grünen zwar gestärkt, aber mit einer schmaleren Mehrheit als zuvor aus Baden-Württemberg hervorgehen. Der Zusammenbruch der FDP eröffnet ihnen die Chance, neue Wähler zu gewinnen. Die Regierungsbildung hängt nun von Verhandlungen ab – die Grünen bestehen darauf, den Ministerpräsidenten zu stellen.