Die Linke wächst trotz schwacher Wahlergebnisse – was steckt dahinter?
Hans-Herbert ReinhardtDie Linke wächst trotz schwacher Wahlergebnisse – was steckt dahinter?
Die Linke erreichte bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 4,4 Prozent der Stimmen – ein leichter Anstieg gegenüber 2021, aber unter den internen Erwartungen. Trotz des enttäuschenden Ergebnisses verzeichnet die Partei einen deutlichen Mitgliederschub: Innerhalb von nur 18 Monaten wuchs die Zahl der Mitglieder von 4.400 auf über 10.000 an.
Bei den Kommunalwahlen in Bayern konnte die Linke bemerkenswerte Zugewinne verbuchen und zog in 66 der 71 Kreistage des Landes ein. Die Parteiführung will nun die urbane Unterstützung ausbauen und gleichzeitig ihre Präsenz in ländlichen Regionen stärken.
Mit über 4.000 Kandidatinnen und Kandidaten trat die Linke bei den bayerischen Kommunalwahlen an und errang in nahezu allen Kreistagen Mandate. In den Großstädten schnitt die Partei besonders gut ab und erreichte Stimmanteile zwischen 8,9 und 14,7 Prozent. Besonders junge Wähler zeigten sich aufgeschlossen: In Baden-Württemberg unterstützten 13 Prozent der 16- bis 24-Jährigen die Linke.
Parteichefin Ines Schwerdtner betonte, dass die Linke trotz der durchwachsenen Ergebnisse keinen Kurswechsel plane. Stattdessen gelte es, die Verankerung auf dem Land zu vertiefen und die Unterstützung der Jugend in langfristigen Einfluss umzumünzen. Vor der Wahl hatte die Partei ein Landesgesetz für höhere Löhne im öffentlichen Dienst vorgeschlagen – ein Vorhaben, das ohne Parlamentssitze nicht vorankommt.
Die konkurrierende Basisinkommen-Partei (BSW) hingegen blieb weit hinter den Erwartungen zurück: In Baden-Württemberg erreichte sie nur 1,4 Prozent, und auch in Bayern blieb ihr Erfolg bei den Kommunalwahlen minimal. Die Linke setzt nun darauf, ihr Profil zu schärfen, um künftige Verluste an Mitbewerber zu verhindern.
Der Mitgliederschub und die urbanen Erfolge der Linken stehen im Kontrast zu ihrem bescheidenen landesweiten Stimmenanteil. Ohne Parlamentsmandsate bleiben zentrale Forderungen wie das Tarifgesetz für den öffentlichen Dienst vorerst blockiert. Die nächsten Schritte der Partei werden zeigen, ob es ihr gelingt, die wachsende Basis in stärkere Wahlerfolge umzuwandeln.