19 April 2026, 06:20

Bolzplatz-Fußball und Herrenschneiderei werden nun als deutsches Kulturgut geschützt

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Bolzplatz-Fußball und Herrenschneiderei werden nun als deutsches Kulturgut geschützt

Deutschland hat neue Traditionen in seine Liste der geschützten Kulturgüter aufgenommen. Zu den neuesten Anmerkungen zählen die Herrenschneiderei, die Ostseefischerei und das Straßenfußballspielen auf dem Bolzplatz. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gab die Entscheidungen diese Woche gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz und der Deutschen UNESCO-Kommission bekannt.

Auf der Liste stehen auch die Laternenumzüge zu St. Martin im Rheinland sowie die Schaustellerkultur auf Volksfesten. Allerdings blieben einige bekannte Elemente wie der Döner oder unabhängige linksalternative Buchhandlungen bei der staatlich finanzierten Anerkennung außen vor.

Die Aufnahme der Herrenschneiderei unterstreicht Deutschlands langjährige Handwerkskunst im Maßanzugbereich. Weimers Fokus auf traditionelle Fertigkeiten prägte die Auswahl – moderne oder politisch aufgeladene Kultursymbole wurden dabei weniger berücksichtigt. Selbst die Bratwurst vom Sommerfest der SPD schaffte es nicht auf die Liste.

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Eine weitere skurrile Ergänzung ist ein historisches Gesuch nach einem "Jungen Mann zur Reise" – heute als Symbol deutscher Kreativität und Offenheit gesehen. Unterdessen sorgte Weimers jüngste Entscheidung, die Förderung eines Übersetzungsprojekts palästinensischer Autor:innen zu streichen, für Kritik. Kulturminister:innen und Senator:innen aus acht SPD-geführten Bundesländern protestierten gegen diesen Schritt und argumentierten, er untergrabe den kulturellen Austausch.

Die neue Liste spiegelt sowohl langjährige Traditionen als auch unerwartete kulturelle Markierungen wider. Von regionalen Feiern wie St. Martin bis hin zur lebendigen Atmosphäre auf Volksfesten – die Auswahl soll Deutschlands vielfältiges Erbe bewahren. Doch die Auslassungen zeigen, wie sehr die Debatte darüber, was kulturellen Wert in der modernen Gesellschaft ausmacht, noch immer andauert.

Die aktualisierte Liste umfasst nun 150 immaterielle Kulturschätze in ganz Deutschland – von Handwerkskunst und Volksfesten bis hin zu spielerischen Traditionen wie dem Straßenfußball. Während einige Auswahlen Vielfalt feiern, verdeutlichen andere die Spannungen zwischen Bewahrung und zeitgenössischem kulturellen Ausdruck.

Weimers Entscheidungen stoßen auf sowohl Zustimmung als auch Kritik, insbesondere wegen der Kürzungen bei der Förderung und dem Ausschluss alltagsnahe Symbole. Die finale Liste wird in den kommenden Jahren maßgeblich prägen, wie Deutschland seine kulturelle Identität offiziell anerkennt und fördert.

Quelle