30 April 2026, 04:21

Wie ein Dorf in Baden-Württemberg sein eigenes Glasfasernetz mit 1.000 Mbit/s baute

Nahaufnahme eines Glasfaserkabels mit blauen und wei├čen Lichtern auf einem schwarzen Hintergrund.

Wie ein Dorf in Baden-Württemberg sein eigenes Glasfasernetz mit 1.000 Mbit/s baute

Ein kleines Städtchen in Baden-Württemberg hat sein eigenes ultraschnelles Internetnetz aufgebaut – mit Geschwindigkeiten von 1.000 Mbit/s für fast alle Einwohner. Nach jahrelanger Untätigkeit der großen Telekommunikationsanbieter nahm Hohentengen am Hochrhein die Sache selbst in die Hand.

Das Projekt startete 2006, als Bürgermeister Martin Benz ein Angebot eines großen Telekommunikationsunternehmens über 500.000 Euro ablehnte. Das vorgeschlagene DSL-Netz galt als zu langsam – also entschied sich die Gemeinde für eine eigene Lösung. Nach gescheiterten Verhandlungen mit weiteren Anbietern setzte Hohentengen schließlich auf den Bau eines kommunalen Glasfasernetzes.

Das fertige Netz umfasst 90 Kilometer, wobei über 10.000 Kilometer Kabel verlegt wurden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf knapp drei Millionen Euro, finanziert durch 465.000 Euro Eigenkapital der Gemeinde und den Rest über Kredite. Trotz der hohen Investition nutzen heute 96 Prozent der Haushalte den Dienst – zum gleichen Marktpreis wie anderswo: 69 Euro monatlich für Internet, Telefon und Fernsehen.

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Andreas Nauroth, der technische Leiter des Projekts, war maßgeblich am Erfolg beteiligt. Er rüstete eine Fräsmaschine so um, dass täglich 100 Meter Kabel verlegt werden konnten, ohne den Straßenverkehr stark zu beeinträchtigen. Zudem entwickelte er die MOKO-Box, ein maßgefertigtes Kunststoffgehäuse für die Verteilungstechnik, das die Installation beschleunigte.

Doch die finanziellen Herausforderungen bleiben. Trotz der hohen Akzeptanz belasten Schulden in Höhe von 280.000 Euro das Projekt – die Bilanz ist damit vorerst noch nicht ausgeglichen.

Hohentengen bietet heute eines der schnellsten Internetnetze Deutschlands, mit einer nahezu flächendeckenden Nutzung durch die Bevölkerung. Die Investition hat der Gemeinde eine zukunftsweisende Anbindung beschert – doch die vollständige Wirtschaftlichkeit steht noch aus.

Quelle