Stuttgart 21: Milliardengrab und nationaler Witz – wann kommt die Wende?
Hiltrud JockelStuttgart 21: Milliardengrab und nationaler Witz – wann kommt die Wende?
Stuttgart 21: Deutschlands Prestige-Bahnprojekt steckt in der nächsten schweren Krise
Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir bezeichnete das Vorhaben mittlerweile als „nationalen Witz“ und forderte von der Deutschen Bahn klare Antworten auf die Frage, wann das Projekt überhaupt fertiggestellt wird.
Eigentlich sollte Stuttgart 21 Deutschlands erstes voll digitalisiertes Großbahnprojekt werden. Strecken und Züge sollten mit dem europäischen Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System) und digitalen Stellwerken betrieben werden. Doch über 1.000 Kilometer Kabel und Leitungen wurden falsch verlegt – weil mit den Bauarbeiten begonnen wurde, noch bevor die technischen Endplanungen vorlagen. All diese Leitungen müssen nun ausgetauscht werden.
Doch die Verlegefehler sind nicht das einzige Problem. Mängel bei der Notstromversorgung sowie Baumängel an Bahnsteigen und Bodenbelägen kamen hinzu. Diese Pannen machen die bisherige Zielvorgabe einer Teilinbetriebnahme 2026 zunichte. Die vollständige Eröffnung verschiebt sich nun auf 2031 – zwölf Jahre später als ursprünglich geplant.
Die Kosten sind derweil von anfangs 4,5 Milliarden Euro auf über 11 Milliarden Euro explodiert. Allein die Installation von 450 neuen Signalen schlägt mit rund 45 Millionen Euro zu Buche. Güterzüge ohne ETCS benötigen in Teilen des Bahnknotens weiterhin konventionelle Signale, was die Komplexität weiter erhöht. Lokale Politiker, darunter Verkehrsminister Winfried Kretschmann, nannten die Verzögerungen „inakzeptabel“ und verlangten von der Deutschen Bahn vollständige Transparenz.
Das Projekt liegt weiterhin weit hinter dem Zeitplan und sprengt das Budget bei Weitem. Die Bahn muss nun die zahlreichen Fehler und die steigenden Kosten in den Griff bekommen. Aus dem einstigen Prestigeprojekt ist längst eine Quelle landesweiter Verärgerung geworden.






