RAW-Gelände in Berlin: Subkultur droht nach gescheiterten Verhandlungen das Aus
Sepp KraushaarRAW-Gelände in Berlin: Subkultur droht nach gescheiterten Verhandlungen das Aus
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes steht auf der Kippe
Nach Jahren zäher Verhandlungen ist die Zukunft des RAW-Geländes in Berlin ungewiss. Die Eigentümerin, die Kurth Group, erklärte den Planungsprozess für gescheitert – und setzt damit jahrzehntelange subkulturelle Projekte auf dem Spiel. Noch am Samstag pulsierte das Gelände mit Leben, etwa bei einer öffentlichen Fußball-Übertragung, doch über dem langfristigen Fortbestand schwebt ein großes Fragezeichen.
Die Kurth Group hatte das RAW-Gelände in Friedrichshain 2015 erworben. Seither ringt das Unternehmen darum, wirtschaftliche Nutzung und den Erhalt der subkulturellen Identität des Ortes unter einen Hut zu bringen. 2022 einigte man sich zwar auf einen Deal, der 70 Projekte durch niedrige Mieten für 30 Jahre sichern sollte – doch 2024 brach die Gruppe die Gespräche ab.
Die Verhandlungen mit dem Bezirk wurden 2023 wiederaufgenommen, mit der Hoffnung auf eine Einigung bis Mai. Doch der Bezirk verweigerte vorzeitige Baugenehmigungen, und die Kurth Group wirft dem aktuellen Rahmenkonzept nun vor, frühere Absprachen zu ignorieren. Das Unternehmen argumentiert, der Vorschlag diene allein den Interessen Berlins, nicht aber seinen eigenen.
Stattdessen setzt die Gruppe auf den Bau von Wohnungen – ein Schritt, der das RAW-Gelände, wie es heute besteht, beenden könnte. Ohne die Zusammenarbeit des Bezirks und finalisierte Pläne kommt ihr Vorhaben jedoch nicht voran. Florian Falkenhagen, Geschäftsführer des Clubs Cassiopeia, erhielt bereits mündlich die Aufforderung, die Räumlichkeiten bis Monatsende zu verlassen. Auch andere Projekte müssen in den kommenden Wochen mit ähnlichen Kündigungen rechnen.
Nach fast elf Jahren Verhandlungen bleibt die Zukunft des Geländes ungewiss. Während die Kurth Group den Prozess für gescheitert erklärt, bereiten sich die betroffenen Initiativen auf den Auszug vor. Die Zurückhaltung des Bezirks bei Baugenehmigungen und die Baupläne des Eigentümers gefährden nun die langjährige kulturelle Bedeutung des RAW-Geländes.






