"Radikale Freundlichkeit": Soll Österreichs Schimpfkultur jetzt verboten werden?
Vladimir Döhn"Radikale Freundlichkeit": Soll Österreichs Schimpfkultur jetzt verboten werden?
Ein Buch mit dem Titel „Radikale Freundlichkeit“ könnte in Österreich bald verboten werden. Das Werk stellt die tief verwurzelte Kultur des farbenfrohen Beschimpfens im Land infrage und plädiert für einen Wandel hin zu mehr Dankbarkeit und Selbstmitgefühl.
Die Österreicher sind bekannt für ihren reichen Schatz an Schimpfwörtern. Es gibt über fünfzig Bezeichnungen für „Idiot“, von „Dodel“ bis „Nudelaug“. Fluchen gilt oft als Energiequelle, ja wird sogar mit einer Art Yoga verglichen. Manche Einheimische behaupten, dass langsame Autofahrer auf der Autobahn diese feurige sprachliche Kreativität entfachen können.
Die Autorin von „Radikale Freundlichkeit“ schlägt einen anderen Weg vor. Statt zu schimpfen, rät sie dazu, Menschen für Unannehmlichkeiten zu danken und sich selbst wie anderen mit Freundlichkeit zu begegnen. Das Buch wirbt dafür, alltägliche Ärgerlichkeiten mit Liebe statt mit Frust zu begegnen.
Das mögliche Verbot unterstreicht den Konflikt zwischen Tradition und Wandel. Sollte es durchgesetzt werden, wäre dies ein bemerkenswerter Moment in der österreichischen Kulturdebatte. Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage, ob Freundlichkeit die langjährige Gewohnheit des ausdrucksstarken Nörgelns ersetzen kann.






