Petrit Halilaj gewinnt Nasher-Preis 2027 und schreibt Kunstgeschichte
Hans-Herbert ReinhardtPetrit Halilaj gewinnt Nasher-Preis 2027 und schreibt Kunstgeschichte
Der kosovarische Künstler Petrit Halilaj hat den Nasher-Preis 2027 gewonnen und ist mit nur 39 Jahren der jüngste Preisträger in der Geschichte der Auszeichnung. Seine Arbeit speist sich tief aus Kindheitserinnerungen während des Kosovo-Konflikts der 1990er-Jahre, als sein Familienhaus von serbischen Truppen zerstört wurde, als er erst 13 Jahre alt war. Der mit 100.000 US-Dollar dotierte Preis soll nach Halilajs Plänen in Kunstinitiativen in seiner Heimat fließen.
Er ist erst der zweite Künstler aus der Balkanregion, der diese Ehrung erhält – nach Marina Abramović im Jahr 2016.
Halilajs Kunst erkundet die Spannung zwischen kindlicher Unschuld und den grausamen Realitäten des Krieges. Seine frühen Zeichnungen aus der Konfliktzeit wurden später in der Tate St Ives in England ausgestellt. Kürzlich verwandelte er Kritzeleien von Schulkindern aus dem Balkan in Bronzeskulpturen, die im Metropolitan Museum of Art in New York zu sehen waren.
2023 inszenierte er Syrigana, eine interdisziplinäre Oper, die in einem kosovarischen Dorf desselben Namens spielt. Das Projekt spiegelte sein anhaltendes Engagement für Themen wie Erinnerung, Vertreibung und Gemeinschaft wider.
Aktuell restauriert Halilaj ein verlassenes Kulturzentrum in seiner Heimatstadt. Das Haus der Kultur, eine Kooperation zwischen seiner Hajde!-Stiftung und dem kosovarischen Kulturministerium, soll zu einem offenen Ort für Menschen aller ethnischen Hintergründe und Minderheitengruppen werden. Die 100.000 US-Dollar aus dem Nasher-Preis werden dieses Vorhaben sowie weitere lokale Kunstprojekte unterstützen.
Mit dem Nasher-Preis wird Halilajs einzigartige Fähigkeit gewürdigt, persönliches und kollektives Trauma in kraftvolle Kunst zu verwandeln. Seine anstehenden Projekte, darunter das Haus der Kultur, werden neue Plattformen für kosovarische Künstler:innen und Gemeinschaften schaffen. Die Auszeichnung unterstreicht zudem die wachsende internationale Sichtbarkeit von Künstler:innen vom Balkan.






