24 June 2026, 20:13

Opernhäuser tauschen Kunst gegen Lifestyle – ist das noch Hochkultur?

Die Neue Kitschigkeit

Opernhäuser tauschen Kunst gegen Lifestyle – ist das noch Hochkultur?

Große Opernhäuser verändern ihre Präsenz in den sozialen Medien grundlegend. Statt den Fokus auf Kunst zu legen, nutzen viele Plattformen wie Instagram inzwischen, um einen Lifestyle aus Drinks, Mode und leichter Unterhaltung zu bewerben. Diese Entwicklung behandelt das Publikum zunehmend wie Konsumenten statt als engagierte Kunstliebhaber.

Die Staatsoper Berlin setzt auf ihrem Instagram-Kanal häufig Sponsoren in den Vordergrund. Der Intendant bedankt sich wiederholt bei BMW und bindet Mitarbeiter des Unternehmens in Beiträge ein. Der Eindruck entsteht, dass es eher darum geht, Unternehmensförderer zu besänftigen, als über Aufführungen zu sprechen.

Ähnlich verhält es sich bei der Wiener Staatsoper. Ihr Instagram-Auftritt wird von den Moderatoren Hemma und Jakob geprägt, die das Haus als Spielwiese oder kulinarisches Ziel inszenieren. Die Inhalte drehen sich stärker um Gastronomie und Spaß als um die Musik selbst.

Im Festspielhaus Baden-Baden steht der Slogan „Klassik und Spritz“ im Mittelpunkt. Die Moderatoren geben sich trendbewusst und vermarkten die Veranstaltung als gesellschaftliches Erlebnis. Die Posts wirken oft wie Werbung für eine Party statt wie eine künstlerische Präsentation.

Einige Häuser bieten zudem grundlegende Anleitungen an – von der Bestellung von Snacks in der Pause über Dresscodes bis hin zu Benimmregeln, als müsste dem Publikum erst erklärt werden, wie man sich verhält. Junge Influencer mischen mit und bewerben Drinks, Outfits und „Überlebenstipps“ für den Opernbesuch.

Die Bayerische Staatsoper hebt sich ab, indem sie die Musik in den Mittelpunkt stellt. Auf ihrem Instagram-Kanal werden Komponisten wie Wagner thematisiert, orchestrale Details erläutert und philosophische Reflexionen geteilt. Auch Künstler in Kostümen kommen zu Wort – der Bezug zur Kunstform bleibt hier stärker gewahrt.

Opernhäuser vermarkten sich in den sozialen Medien zunehmend als Lifestyle-Marken. Während einige weiterhin Musik und Kunst priorisieren, reduzieren viele die Oper auf eine Kulisse für Drinks, Mode und gesellschaftliche Events. Damit droht eine einst reflektierte Kunstform zur bloßen Unterhaltung zu verkommen.

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