Nitrendipin-Knappheit hält an: Patienten warten monatelang auf Blutdruckmedikamente
Hiltrud JockelNitrendipin-Knappheit hält an: Patienten warten monatelang auf Blutdruckmedikamente
Patienten, die auf Nitrendipin angewiesen sind – einen weit verbreiteten Kalziumkanalblocker –, kämpfen seit dem vergangenen Sommer mit anhaltenden Lieferengpässen. Betroffen sind sowohl die 10-Milligramm- als auch die 20-Milligramm-Dosierungen, sodass viele Patienten ihre verschriebenen Medikamente nicht mehr erhalten.
Erstmals aufgetreten sind die Probleme Mitte 2023, als Produktionsstörungen zu einer Knappheit bei Nitrendipin 20 mg führten. Der Hersteller Aristo bestätigte, dass der Engpass mindestens bis Ende 2023 anhalten werde. Unterdessen nahm das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Nitrendipin offiziell in seine Liste der gemeldeten Arzneimittelknappheiten auf.
Mittlerweile haben andere Anbieter Zeitpläne für die Wiederaufnahme der Produktion vorgelegt. Ratiopharm und Aliud Pharma rechnen damit, die 20-Milligramm-Variante bis Ende März wieder verfügbar zu haben. AbZ hingegen erwartet erst Ende Mai mit der Auslieferung beginnen zu können. Bei der 10-Milligramm-Dosierung wird je nach Hersteller mit einer Rückkehr der Lieferungen bis Ende März oder Mitte April gerechnet.
Nitrendipin gehört zur Gruppe der Nifedipin-ähnlichen Kalziumkanalblocker, die verhindern, dass Kalzium in die Zellen eindringt. Dadurch bleiben die Arterien entspannt und der Blutdruck unter Kontrolle. Allerdings bergen diese Medikamente Risiken – insbesondere für Patienten mit Herzinsuffizienz oder solche, die sich von einem akuten Herzinfarkt erholen. Bestimmte Arzneimittel, darunter Ritonavir, Erythromycin und Clarithromycin, können ihre Wirkung zudem verstärken und zu einem stärkeren Blutdruckabfall führen.
Die Lieferengpässe verdeutlichen die größeren Herausforderungen in der Arzneimittelversorgung, von denen zunehmend auch ältere Wirkstoffe wie Nitrendipin betroffen sind. Patienten und medizinisches Personal müssen sich nun auf längere Wartezeiten einstellen – bei manchen Medikamenten bis ins späte Frühjahr. Die Situation zeigt, wie anfällig die Versorgung mit Arzneimitteln ist, insbesondere bei lang etablierten Präparaten. Betroffene sollten mit ihren Ärzten über mögliche Alternativen sprechen, falls erforderlich.






