Marathon-Theater kehrt zurück: Warum lange Stücke wieder boomen
Deutsches Theater erlebt ein Comeback der Marathon-Aufführungen – trotz des Trends zu kürzeren Stücken nach der Pandemie
Während viele Produktionen ihre Spieldauer kürzten, um mit dem Unterhaltungsangebot zu Hause konkurrieren zu können, kehren einige Bühnen nun zu ausufernden, stundenlangen Epen zurück. Dieser Wandel zeigt sich deutlich beim diesjährigen Berliner Theatertreffen, wo ambitionierte Regisseure erneut Grenzen ausloten.
Lange Aufführungen haben im deutschen Theater eine lange Tradition. In den 1970er- und 1980er-Jahren führte der Aufstieg des Regietheaters zu ausgedehnten Inszenierungen, geprägt von Persönlichkeiten wie Peter Stein und Frank Castorf. Luk PercevalsSchlachten bei den Salzburger Festspielen 1999 dauerte zwölf Stunden und setzte damit einen Maßstab für künstlerische Ausdauer.
Während und kurz nach der Pandemie setzten die meisten Theater auf kürzere, pausenlose Stücke. Das Publikum gewöhnte sich an kompakte, leicht konsumierbare Aufführungen, die dem Tempo von Streaming und digitaler Unterhaltung entsprachen. Doch nun schlägt das Pendel zurück.
Beim diesjährigen Berliner Theatertreffen (1. bis 17. Mai) steht Wallenstein: Ein Fest des Krieges in sieben Gängen auf dem Programm – eine siebenstündige Produktion der Münchner Kammerspiele. Die Inszenierung umfasst drei Pausen mit Bewirtung und wird so zu einem Ganztagserlebnis. Die Karten waren schnell ausverkauft, was das anhaltende Interesse an solchen immersiven Formaten beweist. Das Schauspielhaus Bochum brachte 2023 Die Brüder Karamasow in einer siebenstündigen Fassung auf die Bühne, und die Berliner Volksbühne nimmt sich nun Peer Gynt vor, dessen erster Teil einst acht Stunden dauerte.
Theaterbesucher können heute zwischen kurzen, modernen Stücken und den opulenten, zeitintensiven Produktionen vergangener Tage wählen. Zwar begünstigten die Pandemie-Gewohnheiten knappe Formate, doch Festivals wie das Theatertreffen zeigen: Die Nachfrage nach epischer Erzählkunst bleibt bestehen. Diese Marathon-Aufführungen ziehen weiterhin ein Publikum an, das bereit ist, sich einen ganzen Tag dem Drama zu widmen.






