07 May 2026, 12:28

Halberstadts jüdische Vergangenheit zwischen Zerstörung und schwierigem Gedenken

Luftaufnahme des Holocaust-Mahnmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin, Deutschland, mit zahlreichen rechteckigen Betonsteinen in einem Gittermuster.

Halberstadts jüdische Vergangenheit zwischen Zerstörung und schwierigem Gedenken

Halberstadts jüdische Geschichte war geprägt von Zerstörung, Überleben und einem schwierigen Gedenken. Die Synagoge der Stadt wurde 1938 während der Pogromnacht niedergerissen – der Beginn jahrzehntelanger Auslöschung. Bis 1942 waren die letzten verbliebenen Juden am Ort des heutigen Mahnmals zusammengetrieben worden, um deportiert zu werden.

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Die Verwüstung Halberstadts begann lange vor Kriegsende. 1938 wurde die Synagoge zerstört, und bis 1942 war die jüdische Bevölkerung der Stadt für die Deportation zusammengeschlossen worden. Der Ort, an dem sie damals versammelt wurden, ist heute Schauplatz des jüdischen Mahnmals. Nach dem Krieg lag die Rathaustraße – das historische Stadtzentrum – in Trümmern, ein schmerzhaftes Zeugnis der Zerstörung, die noch vor der Befreiung angerichtet worden war.

1949 entstand auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Langenstein-Zwieberge bei Halberstadt ein Mahnmal, das zunächst an die Opfer der Zwangsarbeit erinnern sollte. Doch seine Bedeutung wandelte sich mit der Zeit. Bis 1969 wurde die Stätte umgestaltet – zu einem Versammlungsort für Treuegelöbnisse, erbaut direkt über den Gräbern der Häftlinge. Währenddessen nutzte man in den 1970er-Jahren das Tunnelsystem des ehemaligen Lagers als militärisches Depot für die Nationalen Volksarmee der DDR.

Trotz des offiziellen Antifaschismus der DDR blieb ihr Verhältnis zur jüdischen Geschichte ambivalent. Willy Calm, der letzte Überlebende der jüdischen Gemeinde Halberstadts, fungierte ab 1961 als ihr einziger offizieller Ansprechpartner. Autoren wie Peter Edel und Jurek Becker veröffentlichten in der DDR Romane, die – wenn auch begrenzt – jüdische Themen aufgriffen. Die niederländische Widerstandskämpferin Lin Jaldati zog 1952 in die DDR und veröffentlichte in Ost-Berlin drei Langspielplatten, die dieser vielschichtigen Erinnerungskultur eine weitere Facette hinzufügten.

In seinem Buch „Verweigerte Erinnerung“ untersuchte Philipp Graf später Halberstadts jüdische Vergangenheit und die Versäumnisse der DDR, sich mit ihren eigenen antifaschistischen Widersprüchen auseinanderzusetzen.

Heute steht das Mahnmal als stummer Zeuge einer zerrissenen Geschichte. Die jüdische Gemeinde Halberstadts wurde fast ausgelöscht, doch in Literatur, Musik und den umgenutzten Ruinen der Vergangenheit leben Bruchstücke ihrer Erzählung fort. Der Ort bleibt ein Ort des Gedenkens – auch wenn seine Bedeutung im Lauf der Zeit von Politik und Geschichte immer wieder neu geformt wurde.

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