Europas Industrie warnt vor Wettbewerbsnachteilen durch steigende CO₂-Kosten
Hans-Herbert ReinhardtEuropas Industrie warnt vor Wettbewerbsnachteilen durch steigende CO₂-Kosten
Mehr als drei Dutzend große europäische Industrieunternehmen haben in einem Schreiben an die EU-Spitze dringendes Handeln im Rahmen des Emissionshandels gefordert. Zu den Unterzeichnern gehören Konzerne wie ArcelorMittal, BP und BASF, die warnen, dass steigende CO₂-Kosten die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie gefährden. Die Unternehmen argumentieren, dass das aktuelle System den globalen Realitäten nicht mehr gerecht werde.
Der Brief, gerichtet an den EU-Ratspräsidenten António Costa und den zyprischen Präsidenten Nikos Christodoulides, benennt Defizite bei der industriellen Transformation Europas. Darin heißt es, die Infrastruktur für Strom, Wasserstoff und CO₂-Transport sei nach wie vor unzureichend. Die Firmen kritisieren, dass das bestehende System europäische Unternehmen einseitig belaste, die allein Maßnahmen zur Emissionsreduktion ergreifen.
Nach den EU-Vorgaben müssen Industrieanlagen Verschmutzungsrechte erwerben, um Treibhausgase ausstoßen zu dürfen. Die Kosten steigen, wenn Unternehmen ihre Emissionen langsamer senken als die schrumpfende Menge an Zertifikaten. Zudem beginnt das EU-Klimapaket „Fit for 55“ mit der schrittweisen Abschaffung kostenloser Zuteilungen, was den Druck weiter erhöht.
Um Wettbewerbsnachteile auszugleichen, führte die EU den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) ein. Dieser zielt mit Abgaben auf kohlenstoffintensive Importe ab, sieht jedoch Ausnahmen für Länder mit eigenen Emissionshandelssystemen vor. Die Einnahmen aus dem Emissionshandel fließen in Klimamaßnahmen wie den Ausbau von Wasserstoffnetzen für die Industrie.
Die Hersteller fordern nun schnelle Maßnahmen, um die Kosten zu stabilisieren und die europäische Industrie zu schützen. Ohne Kurskorrektur drohe das aktuelle System weitere wirtschaftliche Schäden anzurichten, warnen sie. Der Brief unterstreicht die Notwendigkeit besserer Infrastruktur und fairerer globaler Klimapolitik.






