EU plant digitale Identität und schärfere Chatkontrollen bis 2027
Hans-Herbert ReinhardtEU plant digitale Identität und schärfere Chatkontrollen bis 2027
Die EU treibt zwei große digitale Vorhaben voran. Eines sieht die Ausweitung von Chat-Überwachungsmaßnahmen vor, das andere konzentriert sich auf die Einführung eines neuen digitalen Identitätssystems. Beide Projekte zielen darauf ab, die Art und Weise, wie Bürger online interagieren und ihre Identität nachweisen, grundlegend zu verändern.
Die EU-Digital-Brieftasche befindet sich in der Entwicklung und soll Europäern eine sichere und einfache Möglichkeit bieten, ihre Identität zu bestätigen. Nutzer können damit ihr Alter verifizieren, wichtige Dokumente verwalten und persönliche Daten kontrollieren. Das System soll in bestehende eID-Lösungen der Mitgliedstaaten integriert werden.
Die Bundesdruckerei baut die Backend-Infrastruktur für die Ausgabe von Personenidentifikationsdaten (PID) innerhalb dieser Wallet auf. Erste Tests laufen bereits, der vollständige Start ist für Januar 2027 geplant. Die Brieftasche wird zudem mit einer Altersverifikations-App verknüpft, um den Zugang zu altersbeschränkten Online-Inhalten zu regeln.
Gleichzeitig drängt die EU auf erweiterte Chat-Überwachungsmöglichkeiten. Die Verhandlungen über eine dauerhafte Regulierung der Chatkontrolle sollen Ende Juni wiederaufgenommen werden. Zu den Vorschlägen gehört unter anderem Client-Side-Scanning, um Verschlüsselung zu umgehen.
Die Nutzung der EU-Digital-Brieftasche soll zunächst freiwillig sein, könnte aber mit dem Rückgang des Bargelds und der Ausweitung digitaler Dienstleistungen an Bedeutung gewinnen. Die Chat-Überwachungsmaßnahmen würden, falls beschlossen, neue Wege zur Überwachung der Online-Kommunikation einführen.
