Deutschlands Atomausstieg 2011: Zwischen Energiesouveränität und Stromimporten aus dem Ausland
Sepp KraushaarDeutschlands Atomausstieg 2011: Zwischen Energiesouveränität und Stromimporten aus dem Ausland
Der deutsche Beschluss zum schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie im Jahr 2011 löste eine Debatte über Energiesouveränität und grenzüberschreitende Stromflüsse aus. Kritiker warnten, das Land werde trotz der eigenen Abschaltungen stärker auf Atomstromimporte aus dem Ausland angewiesen sein. Österreich hingegen bezog klar Stellung gegen die Atomkraft und verbot ab 2015 sämtliche Importe von Kernenergie.
Der Atomausstieg begann abrupt im März 2011, nur wenige Tage nach der Katastrophe von Fukushima. Deutschland stellte innerhalb einer Woche fast die Hälfte seiner Atomkapazitäten ab. Dennoch blieb das Land 2011 ein Netto-Stromexporteur und brach diese Rekorde 2012 und 2013 erneut.
Schon vor der Katastrophe hatte der Energiedienstleister Montel auf ein Überangebot bei der Stromerzeugung in Deutschland hingewiesen. Die plötzlichen Atomabschaltungen zeigten jedoch weder spürbare Störungen in den Stromhandelsdaten noch einen Anstieg der Kernkraftproduktion in den Nachbarländern. Atomkraftwerke laufen in der Regel mit voller Kapazität, sodass kaum Spielraum für eine erhöhte Produktion zur Ausfuhr besteht.
Im September 2011 berichtete Der Spiegel, Deutschland beziehe Atomstrom aus Ländern wie Tschechien. Kritiker sahen darin eine Untergrabung des eigentlichen Ausstiegsziels. Österreich reagierte darauf mit einem Importverbot für Kernenergie im Sommer 2013, das 2015 in Kraft trat.
Der deutsche Atomausstieg führte zwar zu höheren Stromexporten, doch blieben Bedenken hinsichtlich der indirekten Abhängigkeit von ausländischen Atomkraftwerken bestehen. Österreichs Importstopp unterstrich die ablehnende Haltung gegenüber der Kernenergie. Die Diskussion zeigte, wie schwierig es ist, nationale Energiepolitik mit grenzüberschreitenden Stromflüssen in Einklang zu bringen.






