Dänemarks Apothekenmarkt im Umbruch: Liberalisierung mit Folgen für Nachwuchs und Wettbewerb
Hiltrud JockelDänemarks Apothekenmarkt im Umbruch: Liberalisierung mit Folgen für Nachwuchs und Wettbewerb
Dänemarks Apothekensektor durchläuft tiefgreifende Veränderungen
In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich der Apothekenmarkt in Dänemark grundlegend gewandelt. Statt die traditionellen Apotheken zu stärken, setzte die Regierung auf eine Liberalisierung des Marktes. Die Folgen: Immer weniger Absolventen steigen in den öffentlichen Apothekenbetrieb ein, während der Wettbewerb durch Einzelhandelsketten zunimmt.
Seit 2001 ist die Zahl der Apothekenbesitzer in Dänemark um fast 20 Prozent gesunken – von 220 auf 176. Dennoch hat sich die Anzahl der Filialen deutlich erhöht, und zwar von 76 auf 301. Durch diese Expansion erhalten nun 40 kleinere Städte erstmals Zugang zu pharmazeutischen Dienstleistungen.
Zusätzlich hat die Regierung neue Vertriebswege eingeführt: Bis Oktober 2025 sollen 300 rezeptfreie Verkaufsstellen und 350 Medikamenten-Abholstellen entstehen. Parallel dazu gilt eine „Branchenverpflichtung“, die Apothekenbesitzer dazu verpflichtet, über 20 bis 30 Jahre hinweg 490 Millionen dänische Kronen (rund 66 Millionen Euro) zurückzuzahlen.
Dänische Apotheker unterliegen strengerer staatlicher Kontrolle als ihre deutschen Kollegen – etwa bei der Gestaltung der Einnahmen oder der Lizenzvergabe. Dieses regulatorische Umfeld könnte erklären, warum in den letzten zehn Jahren nur 15 Prozent der approbierten Pharmazieabsolventen den Weg in öffentliche Apotheken gewählt haben.
Dr. Claus Pöhlmann hat untersucht, ob sich Dänemarks Reformen auf Deutschland übertragen ließen. Seine Doktorarbeit mit dem Titel „Können gesundheitsökonomische und -politische Entscheidungen Dänemarks auf das deutsche Gesundheitssystem übertragen werden?“ wird im Januar 2025 eingereicht.
Die Liberalisierung hat den dänischen Apothekenmarkt nachhaltig verändert. Mit mehr Wettbewerb durch den Einzelhandel und weniger Nachwuchs im Berufsstand steht der Sektor vor anhaltenden Umbrüchen. Die finanzielle Belastung der Besitzer und die eingeschränkte Autonomie der Apotheker bleiben zentrale Herausforderungen.






