Bundestagswahl 2021: Wie Russlanddeutsche ohne Merkel wählen
Deutschland wählt am 26. September 2021 seinen Bundestag – und zum ersten Mal seit 16 Jahren wird Angela Merkel nicht auf dem Stimmzettel stehen. Damit endet ihre lange Amtszeit als Bundeskanzlerin. Mitentscheiden werden auch rund 1,5 Millionen (Spät-)Aussiedler aus Russland und der ehemaligen Sowjetunion, deren politische Prioritäten und Wahlverhalten sich von denen der Gesamtbevölkerung unterscheiden.
Die Wähler in Deutschland geben zwei Stimmen ab: eine für die Direktkandidaten in ihrem Wahlkreis, eine für eine Partei. Diese Entscheidungen bestimmen indirekt, wer aus dem Feld von 54 antretenden Parteien als nächster Kanzler oder nächste Kanzlerin hervorgeht. Merkels Abwesenheit verändert den Wahlkampf grundlegend – viele schätzen ihre Führung bis heute als einfühlsam, integer und pflichtbewusst, und das über alle Generationen hinweg.
Die etwa 1,5 Millionen russlanddeutschen Wähler zeigen seit Langem eigene politische Tendenzen. Während sie sich in den 1990er- und 2000er-Jahren vor allem um Integration bemühten, verschoben sich ihre Schwerpunkte hin zu konservativen, migrationskritischen und russlandfreundlichen Positionen. Die AfD gewinnt bei ihnen an Zuspruch, geprägt durch kulturelle Bindungen an Russland, wirtschaftliche Not in ländlichen Regionen und Erfahrungen mit Diskriminierung. Umfragen aus dem Jahr 2022 ergaben, dass 46 Prozent von ihnen Putin positiv sahen – im bundesweiten Vergleich waren es nur 12 Prozent. Ihre Stimmen gehen heute eher an CDU/CSU und AfD als an Grüne oder die Linke.
Das politische Engagement variiert stark zwischen den Generationen. Ältere Russlanddeutsche, die länger unter sowjetischer Herrschaft lebten, beteiligen sich seltener an der Politik; ihre Hauptthemen sind Renten und Bildung. Die mittlere Generation fordert bessere Kinderbetreuung und höhere Mindestlöhne. Die jüngsten Wähler hingegen setzen ihre Prioritäten bei Digitalisierung und Klimapolitik.
Die Wahl wird nicht nur über Deutschlands nächste Führung entscheiden, sondern auch die sich wandelnden Prioritäten einer vielfältigen Wählerschaft widerspiegeln. Die Russlanddeutschen mit ihren besonderen historischen Bezügen und sich entwickelnden politischen Neigungen werden dabei eine bemerkenswerte Rolle spielen. Die Ergebnisse werden zudem zeigen, wie das Land ohne Merkels langjährigen Einfluss in die Zukunft geht.






