Bahnstrecke Hamburg–Berlin nach monatelanger Sanierung wieder offen – doch Probleme bleiben
Hiltrud JockelBahnstrecke Hamburg–Berlin nach monatelanger Sanierung wieder offen – doch Probleme bleiben
Die Bahnstrecke Hamburg–Berlin ist nach monatelanger Sperrung wieder in Betrieb
Nach einer zehneinhalbmonatigen Vollsperrung ist die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin wiedereröffnet worden. Reisende hatten mit massiven Einschränkungen zu kämpfen: Regionalzüge fielen ersatzweise aus und wurden durch Busse ersetzt, Fernverkehrszüge mussten über Umleitungen mit längeren Fahrzeiten fahren. Die Wiederinbetriebnahme erfolgte dabei mit sechs Wochen Verspätung gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan.
Auslöser für die Sperrung waren großflächige Sanierungsarbeiten im Rahmen eines Projekts, dessen Kosten mittlerweile auf rund 2,7 Milliarden Euro gestiegen sind – 500 Millionen Euro über dem Budget. Strenger Frost im Januar und Februar brachte die Bauarbeiten zeitweise zum Erliegen und verzögerte die Fertigstellung weiter. Ein eingerichteter Notfallfonds in Höhe von etwa 300 Millionen Euro wurde durch die Rückschläge vollständig aufgebraucht.
Doch auch nach der Wiedereröffnung Mitte Juni blieben Probleme bestehen: Gleich zu Beginn fielen Aufzüge aus, und die Züge verkehrten nicht nach Fahrplan. Zudem ist das neue europäische Zugsicherungssystem (ETCS) noch nicht installiert – eine weitere großangelegte Vollsperrung wird daher in den nächsten fünf bis zehn Jahren notwendig sein.
Kritik gibt es vor allem an dem Konzept der „Generalsanierungen“ in einem Zug. Die langandauernden Sperrungen und explodierenden Kosten werfen Fragen zur Effizienz solcher Großprojekte auf.
Zwar ist die Strecke nun wieder befahrbar, doch viele Baustellen sind noch nicht abgeschlossen. Pendler und Fernreisende werden die Folgen der Verzögerungen und Budgetüberschreitungen weiterhin zu spüren bekommen. Und schon in den kommenden Jahren steht die nächste längere Sperrphase an – dann für die Nachrüstung des ETCS-Systems.
